Kunst zwischen Gips und Infusionsflasche

Stefan Holfter sammelt Objekte für kahle Krankenhauswände – Ablenkung von Ängsten und Schmerzen.

Overath – Die ausgesprochene Vielfalt war das herausragende Merkmal der „Kunst fürs Krankenhaus“-Ausstellung, die am Wochenende im Bürgerhaus in Overath zu bewundern war. Der Overather Stefan Holfter  hat eine Sammlung von über 100 Werken zusammengetragen, die dazu bestimmt ist, in Krankenhäusern ausgestellt zu werden. Bei einem Klinikaufenthalt vor mehreren Jahren war Holfter auf die Idee gekommen, das Krankenhaus freundlicher zu gestalten. Statt trostlos weißer Wände sollten die Patienten bunte Bilder betrachten. „Die Kranken können sich vielleicht über das Auge von ihren Schmerzen und Ängsten ablenken“, meinte Holfter.

Er setzte sich mit verschiedenen Künstlern in Verbindung und bat sie, ihm per Post Kunst für das Krankenhaus zu schicken. Damit war eine Lawine losgetreten. Künstler aus aller Welt sandten Holfter die verschiedensten Kunstwerke.

Drei Tage lang war jetzt die Sammlung zu bewundern, bei der sich genaues Hinsehen und Innehalten lohnte. Häufig erwiesen sich schon die Umschläge als Kunstwerke für sich. Mit ausgewählten Briefmarken waren Muster gelegt, einen Umschlag zierte sogar ein plastischer Kopf-Gipsverband, der nur zwei Augen freiließ. Puzzles waren zu entdecken, Radierungen, Collagen und Zeichnungen in den unterschiedlichsten Stilrichtungen. Eine bunt bemalte Infusionsflasche hing zwischen zwei Gemälden. Landschaftsbilder, Karikaturen und Fotografien waren vertreten. Die Künstler stammen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis, aus Polen, Uruguay und den USA.

Eine Gemeinsamkeit weisen allerdings fast alle Bilder auf: Ihnen fehlt der Rahmen. „ich habe nicht genug Geld, um alle Bilder rahmen zu lassen“, erklärte Holfter. Zahlreiche Spendenaufrufe, so der Overather Kunstsammler, wären bislang ohne Erfolg geblieben. Der Mangel an Bilderrahmen ist auch einer der Gründe, daß die Werke bisher erst einmal in einem Krankenhaus zu sehen waren.

Deshalb sucht Holfter nicht nur Krankenhäuser, die seine Sammlung ausstellen wollen und weitere „Post-Künstler“. Gesucht werden auch Spender, die ihn bei der Anschaffung von Bilderrahmen finanziell unterstützen. Die Postanschrift von Stefan Holfter lautet: Holzbachtalstrasse 15d, 51491 Overath.

KSTA 14.07.1997


Overather „Mail-Artist“ wirbt für eine ungewöhnliche Kunst-Aktion

Overath. „Bilder haben wir genug, jetzt brauchen wir Rahmen!“ Stefan Holfter, Overather „Mail-Artist“, ist beinahe verschütt gegangen in einer Flutr von Bildern aus aller Welt, die alle eines gemeinsam haben: sie sind alle Teil des Projektes „Kunst im Krankenhaus“, das kürzlich für drei Tage, im Bürgerhaus Overath zu besichtigen war.

Die Idee dahinter: hängen sonst auf oft leeren Krankenhauswänden gerade mal Dürers „Betende Hände“ oder Kalenderblätter, sollen nun ungewühnliche Kunstwerke die weißen Flächen zieren und die Genesung der Kranken fördern.

Stefan Holfter, Initiator der Ausstellung, kam die Idee während seines Sportstudiums, als er mehrfach im Krankenhaus lag und kahle Wände anstarrte. In der Zeitung las er dann von dem Kölner Künstler Willi Förster und der Mail Art, einer anarchistischen Kunstströmung , die der Pop-Art entsprungen ist und sich Beuys-Motto „Jeder ist ein Künstler“ auf die Fahnen schrieb. In dieser Anti-kunst zählt nur das, was persönlich gefällt – alles ist Kunst. „Mail-Art“ machte ein Prinzip daraus, indem jeder, der dazu Lust hat, an einem Projekt mitwirken kann; ein Brief mit Bild, abgesandt an den Projekt-Initiator, genügt.

Im Fall von „Kunst im Krankenhaus“ bedeutet das: Profi- und Hobbykünstler gleichermaßen schickten dem Overather hunderte von Werken, vom Papierflieger mit Briefmarken drauf bis zum postwertzeichengroßen „Werk“. Bei der Overather Post ist der Aussteller mittlerweile bekannt als ein „bunter Hund“ ob der phantasievollen Umschläge. Besonders an einem Ausstellungsstück hatte der Briefträger schwer zu tragen – auf einem DIN-A-4-Umschlag ist mit Gips ein bandagierter Kopf nachgebildet, täuschend echt bis zur spitz nach vorn ragenden Nase. Die Adresse fehlt selbstverständlich auch nicht.

Post kam auch aus Kanada!

Daß er derart viele Sendungen bekam, erklärte der 38jährige Holfter so: Mail-Art funktioniert nach dem Kettenbrief-System, so daß er mit einem Brief mehrere Adressaten erreicht, die wiederum Freunde und Bekannte informieren.  Auf diese Weise erreichen den Overather selbst Briefe aus Kanada, Ecuador, Japan und Australien.

Seit Beginn der Aktion – und das war 1992 – erhielt er so fast 700 Sendungen. Damals hatte er seine erste Ausstellung im evangelischen Krankenhaus Weyertal in Köln, der jetzt weitere folgen sollen. Sein größtes Problem dabei: es fehlen die Rahmen. Zwar hat er schon 30 Bilder „krankenhaustauglich“ mit Rahmen versehen, gebraucht werden aber mindestens 100. Die Crux für den gemeinnützigen Verein liegt dabei in den Kosten, 30-60 Euro für einen Rahmen macht 6000 Euro benötigte Spenden.

Seine bisherigen Bemühungen um Sponsoren waren erfolglos. Die Idee fanden viele gut, Geld hatte keiner.

Den Zweck der Ausstellung bringt Holfter daher so auf den Punkt: Spender begeistern (auch Bilder sind noch willkommen) und besonders die Krankenhäuser ansprechen, die auf das Angebot Holfters noch nicht reagiert haben. Dabei sind die Kosten denkbar gering. Im Gegenzug für das Aufhängen in Zimmern und Gängen für zwei Monate verlangt Holfter nicht Geld, sondern Naturalien. Was wohl? – Bilderrahmen natürlich!

Wer sich mit Stefan Holfter in Verbindung setzen möchte: Er ist zu erreichen unter der Rufnummer (02204) 73451.

Bergische Landeszeitung 01.08.1997


Kunst für’s Krankenhaus

„Während meines Sportstudiums habe ich selbst eine Krankenhauskarriere hinter mich gebracht und war es leid, immer nur die `betenden Hände` von Dürer auf kahlen, trostlosen Krankenhausfluren zu sehen“, sagt Stefan Holfter aus Overath und nahm sich vor, Kunstausstellungen in Krankenhäusern zu organisieren. Zunächst gründete der 37-jährige einen gemeinnützigen Verein und bat Künstler um „mail-art“. Der Aufruf fand ein großes Echo: 500 Künstler aus aller Welt schickten ihm 700 Kunstwerke. Nun aber hat Holfter ein neues Problem: „Wir haben kein Geld für Rahmen“, seufzt er, „wir suchen zwar weiter Leute die einen eigenen Kunstbeitrag gestalten, aber in erster Linie Paten, die die Rahmung eines Kunstwerkes übernehmen.“ Wer helfen möchte, daß Wanderausstellungen in Krankenhäusern von Schmerzen ablenken, Kunstinteresse wecken und Zuversicht stärken, kann sich wenden an: „Kunst für`s Krankenhaus e.V.“, c/o Stefan Holfter, Holzbachtalstr. 15D, 51491 Overath, Telefon (02204) 73451, oder spenden auf das Konto Nr. 502044010, BLZ 37062600, bei der RaiBa Bergisch Gladbach (Spenden sind steuerlich absetzbar).

TOP IN RHEIN-BERG


Kunst im Spital

„Mail-Art“, eine Kunstbewegung, die auf Kunstaustausch basiert, ist das Medium von Stefan J. Holfter. Anlässlich eines Krankenhausaufenthaltes war dem Künstler die Idee gekommen, Kollegen in aller Welt zu einem Kunstaustausch unter dem Titel „Mail-Art for Hospital“ anzuregen. Das Ergebnis ist ab heute im Weyertal zu besichtigen.

Kölner Illustrierte 01.04.1992

 


Alle können Künstler werden

Wenn Stefan Holfter am Morgen seine Post erhält, interessieren ihn weniger die Inhalte als die Umschläge der Briefe. Denn das Hobby des Diplomsportlehrers aus dem rheinischen Overath heißt „Mail-Art“, also Post-Kunst. Dabei geht es ihm und den weltweit rund 5000 Mail-Artisten darum, die schlichten Briefumschläge in Kunstvolle Kuverts zu verwandeln. Beispielsweise würde er eine Briefmarke, auf der eine Tulpe abgebildet ist, malerisch in ein Tulpenfeld einbetten. Der 33jährige schickte rund 200 Kunstsendungen pro Monat in alle Welt und hat schon mehrere tausend erhalten, unter anderem aus Japan, Australien und Uruguay. Seine Spezialität sind Collagen und aus Reklameseiten gefaltete Umschläge, die er bereits mehrfach in Postämtern ausgestellt hat. Jetzt will er eine Wanderausstellung durch Krankenhäuser organisieren, „damit die Patienten mehr Abwechslung haben“. Jeder kann mitmachen, indem er sein Meisterwerk an Holfter schickt (Holzbachtalstrasse 15D, 51491 Overath).

Die Post Nr 3/93


Kunst auf Briefen lässt Maschienen versagen

Zum ersten Mal stellte die Kölner Post in ihren Räumen an der Stolkgasse „Mail Art“ aus: Rund 100 kunstvoll gestaltete Briefumschläge aus aller Welt zieren die Stellwände, etwa ein mit 1 Cent-Marken bedeckter Umschlag aus USA, eine knapp bekleidete Schönheit aus sonnigen Urlaubsgefilden – oder das mit Comics verzierte Kuvert. Das Dienstleistungsunternehmen sieht diese Kunstrichtung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn bei der „Postkunst“ handelt es sich überwiegend um bunte, kunstvolle Briefumschläge, die irgendwo versteckt mit Anschrift und Briefmarken versehen sind. Das mag schönseitig sein, die rationelle „Maschienenlesbarkeit“ ist aber vorbei. Solche Briefe werden per Hand sortiert. Und dabei hat das Postamt 3 nach eigener Aussage „die modernste Technik im Bundesgebiet“. An Werktagen werden hier rund 1,4 Millionen Briefe verteilt. Mit einem drei Tage dauernden „Tag der offenen Tür“ können Interessierte ab heute – jeweils von 14-20 Uhr – die Förder- und Verteilungsanlage besichtigen.